Unser Ansatz
Fast jeder dritte Azubi bricht die Ausbildung vorzeitig ab. Die Gründe sind vielfältig:
- falscher Beruf,
- schlechtes Betriebsklima,
- Überforderung,
- keine Perspektive
Doch nicht jedes Problem bedeutet automatisch, dass du gehen musst.
Die entscheidende Frage lautet: Ist das Problem vorübergehend und lösbar - oder grundsätzlich und dauerhaft?
Wann sind Zweifel normal?
- In den ersten Wochen: Du bist neu, alles ist ungewohnt, du fühlst dich unsicher. Das ist völlig normal und gibt sich meist nach 2-3 Monaten.
- Vor Prüfungen: Prüfungsangst und Selbstzweifel gehören dazu. Mit guter Vorbereitung und Unterstützung lässt sich das meistern.
- Bei neuen Aufgaben: Jeder fühlt sich am Anfang überfordert. Frag nach, lass dir helfen - niemand erwartet Perfektion vom ersten Tag an.
- In stressigen Phasen: Auch im besten Betrieb gibt es mal Wochen, in denen es hektisch wird. Das geht vorbei.
Wann wird es kritisch?
- Dauerhaft schlechtes Betriebsklima: Wenn du dich über Monate hinweg nicht wertgeschätzt fühlst, niemand Zeit für dich hat oder du regelrecht ignoriert wirst.
- Keine Lernmöglichkeiten: Du machst nur Hilfstätigkeiten, lernst nichts Neues und siehst keine Entwicklung.
- Gesundheitliche Probleme: Wenn die Ausbildung dich krank macht - psychisch oder physisch - ist das ein ernstes Warnsignal.
- Falscher Beruf: Du merkst nach mehreren Monaten, dass der Beruf wirklich nicht zu dir passt. Nicht nur die Firma - sondern das gesamte Berufsfeld interessiert dich nicht.
- Keine Perspektive: Der Betrieb bildet nicht ordnungsgemäß aus, du hast Angst die Prüfung nicht zu schaffen, oder es gibt keine Übernahmechancen.
Faktencheck: Laut BIBB-Studien bereuen 40 Prozent der Abbrecher ihre Entscheidung im Nachhinein - weil die Probleme lösbar gewesen wären. Gleichzeitig sagen 60 Prozent derjenigen, die gewechselt haben: Es war die richtige Entscheidung, weil ich jetzt glücklicher bin.
Aus der Praxis
Sarah, 17, Technische Produktdesignerin:
Nach vier Wochen wollte ich hinschmeißen. Niemand hatte Zeit für mich, ich fühlte mich total verloren. Dann habe ich mit meinem Ausbilder gesprochen - und es hat sich alles geändert. Ich bekam einen Paten, klare Aufgaben und regelmäßige Gespräche. Heute bin ich im zweiten Lehrjahr und froh, dass ich geblieben bin.
Max, 19, Industriemechaniker:
Ich habe nach einem Jahr abgebrochen. Nicht wegen des Betriebs - der war gut. Aber ich habe gemerkt: Das ist nicht mein Ding. Handwerk liegt mir nicht. Jetzt mache ich eine Ausbildung zum Fachinformatiker und bin viel glücklicher. Manchmal ist ein Neustart genau richtig.
Deine Checkliste: Bleiben oder gehen?
Beantworte diese Fragen ehrlich für dich:
Gründe zu bleiben:
- Habe ich schon mit jemandem über meine Probleme gesprochen? (Ausbilder, Berufsschule, Eltern)
- Sind meine Probleme konkret benennbar und möglicherweise lösbar?
- Gefällt mir der Beruf grundsätzlich, nur die Rahmenbedingungen nicht?
- Bin ich noch in der Anfangsphase (erste 3-6 Monate)?
- Gibt es kleine Verbesserungen oder Erfolgserlebnisse?
Gründe zu gehen:
- Habe ich mehrfach versucht, die Situation zu verbessern - ohne Erfolg?
- Macht mich die Ausbildung dauerhaft unglücklich oder krank?
- Passt der Beruf grundsätzlich nicht zu mir? (nicht nur der Betrieb)
- Gibt es eine konkrete, bessere Alternative für mich?
- Fühle ich mich seit Monaten fehl am Platz?
Was kannst du konkret tun?
Bevor du kündigst:
1. Reden, reden, reden: Sprich zuerst mit deinem Ausbilder, dann mit der Berufsschule, der IHK-Ausbildungsberatung oder deinen Eltern. Oft gibt es Lösungen, die du alleine nicht siehst.
2. Schreib es auf: Was genau stört dich? Seit wann? Was wäre eine Lösung? Konkrete Probleme lassen sich besser ansprechen als diffuses Unwohlsein.
3. Setze eine Frist: Gib dir (und dem Betrieb) noch 4-6 Wochen Zeit nach einem klärenden Gespräch. Manchmal brauchen Veränderungen etwas Zeit.
4. Suche Unterstützung: Die IHK/HWK hat kostenlose Ausbildungsberatung. Jugendberufsagenturen helfen bei der Neuorientierung. Du musst das nicht alleine durchstehen.
Wenn du dich für einen Abbruch entscheidest:
1. Plan B entwickeln: Kündige nicht ins Leere. Bewirb dich parallel, suche einen anderen Betrieb oder überlege, ob ein anderer Beruf besser passt.
2. Betriebswechsel statt Berufsabbruch: Oft ist nicht der Beruf das Problem, sondern der Betrieb. Ein Wechsel ist einfacher als ein kompletter Neustart.
3. Ordentlich abschließen: Auch wenn es schwerfällt - halte Kündigungsfristen ein und verlasse den Betrieb professionell. Das hilft dir bei Referenzen und Bewerbungen.
4. Lernzeit zählt: Auch ein Abbruch ist keine verlorene Zeit. Alles, was du gelernt hast, zählt - fachlich und persönlich.
Wo findest du Hilfe?
- IHK/HWK-Ausbildungsberatung: Kostenlos und neutral
- Berufsschule: Deine Lehrer kennen deine Situation oft gut
- Jugendberufsagentur: Hilft bei Neuorientierung
- Ausbildungsbegleitung: In vielen Regionen gibt es kostenlose Coaches
- Vertrauenspersonen: Eltern, Freunde, Paten im Betrieb
Für Azubis bedeutet das:
Zweifel sind okay. Probleme ansprechen ist wichtig. Aufgeben ohne Versuch ist selten die beste Lösung.
Aber: Wenn du nach ehrlicher Prüfung merkst, dass es nicht passt - dann ist ein Neustart mutig und richtig.
Egal wie du dich entscheidest: Du bist nicht allein. Es gibt immer Wege - nach vorne, zur Seite oder auch mal einen Schritt zurück, um dann besser weiterzugehen.
Du steckst fest und weißt nicht weiter? Du musst das nicht alleine durchstehen. Sprich mit uns - wir helfen dir, die richtigen Schritte zu finden. Ob bleiben, wechseln oder neu starten: Gemeinsam finden wir deinen Weg.