Unser Ansatz
Die gute Nachricht: Die meisten Abbrüche sind vermeidbar, wenn Betriebe die kritischen Phasen kennen und rechtzeitig handeln.
Die kritische Phase: Die ersten 100 Tage
Unsere Erfahrung und Studien zeigen: In den ersten 3-6 Monaten entscheidet sich, ob Azubis bleiben oder gehen. Hier wird die Basis für die gesamte Ausbildung gelegt. Wer jetzt investiert, spart später - Zeit, Geld und Nerven.
Was Azubis in dieser Phase brauchen:
- Struktur und Orientierung: Klare Einarbeitung, feste Ansprechpartner, transparente Erwartungen
- Wertschätzung und Feedback: Regelmäßige Gespräche, Lob für Fortschritte, konstruktive Rückmeldungen
- Integration ins Team: Patenprogramme, gemeinsame Pausen, Einbindung in Projekte
- Erfolgserlebnisse: Kleine, machbare Aufgaben mit sichtbarem Ergebnis
- Perspektiven: Entwicklungsmöglichkeiten aufzeigen, Karrierewege skizzieren
Faktencheck: Betriebe mit strukturiertem Onboarding und aktiver Azubi-Betreuung haben 30 % niedrigere Abbruchquoten. Gleichzeitig steigt die Übernahmequote nach der Ausbildung um bis zu 25 %. Die Investition lohnt sich messbar.
Aus der Praxis
Vier bewährte Maßnahmen, die funktionieren:
1. Azubi-Patenprogramm einführen
Ein mittelständisches Maschinenbauunternehmen führte ein Patenprogramm ein: Jeder neue Azubi bekommt eine erfahrene Fachkraft als Paten zugeteilt. Ergebnis: Die Abbruchquote sank von 28 % auf 12 % innerhalb von zwei Jahren.
Was Sie brauchen:
- Freiwillige Paten aus dem Team (ca. 1-2 Stunden/Monat)
- Kurze Schulung für Paten (Gesprächsführung, Feedback)
- Regelmäßige Treffen (mindestens 1x pro Monat)
- Dokumentation und Austausch mit HR/Ausbilder
2. Strukturiertes Onboarding etablieren
Ein Automobilzulieferer entwickelte ein 4-wöchiges Onboarding-Programm: Woche 1 - Welcome und Kennenlernen, Woche 2-4 - Systematische Einführung in Abteilungen und Systeme. Die Azubi-Zufriedenheit stieg von 65 % auf 92 %.
Was Sie brauchen:
- Willkommenspaket (Info-Mappe, Geschenke, Ansprechpartner)
- Geplanter erster Tag (Führung, Vorstellung, Arbeitsplatz)
- Einarbeitungsplan mit klaren Zielen für die ersten Wochen
- Feedbackrunde nach 2 Wochen
3. Quartalsweise Entwicklungsgespräche
Ein Elektrotechnik-Betrieb führte quartalsweise Entwicklungsgespräche ein. Azubis und Ausbilder besprechen Leistung, Wohlbefinden, Ziele und Herausforderungen. Probleme werden frühzeitig erkannt und gelöst bevor sie eskalieren.
Was Sie brauchen:
- Gesprächsleitfaden (Leistung, Verhalten, Berufsschule, Ziele)
- 30-60 Minuten Zeit pro Quartal und Azubi
- Schriftliche Dokumentation der Vereinbarungen
- Nachhalten der vereinbarten Maßnahmen
4. Schnuppertage vor Vertragsabschluss
Ein Handwerksbetrieb lädt alle Bewerber zu einem verpflichtenden Schnuppertag ein. Ergebnis: Die Passung stimmt besser, weniger Enttäuschungen auf beiden Seiten. Die Quote der Azubis, die nach der Probezeit bleiben, stieg von 70 % auf 95 %.
Was Sie brauchen:
- 1-2 Tage Zeit für Schnuppertag
- Realistische Einblicke in den Arbeitsalltag
- Einbindung aktueller Azubis (authentische Perspektive)
- Reflexionsgespräch: Passt es? Für beide Seiten
Ihre Checkliste: Die ersten 100 Tage
Woche 1:
- Strukturiertes Welcome, Vorstellung im Team, Arbeitsplatz vorbereitet
- Willkommenspaket und Einführungsgespräch
Woche 2-4:
- Paten/Mentor zuweisen
- Erste kleine Aufgaben mit Erfolgserlebnissen
- Feedbackrunde durchführen
Monat 2-3:
- Erstes Entwicklungsgespräch
- Ziele für die nächsten Monate definieren
- Integration ins Team prüfen
Monat 4-6:
- Eigenständige Aufgaben übertragen
- Erfolgserlebnisse schaffen und wertschätzen
- Feedbackkultur etablieren
Für Unternehmen bedeutet das:
- 30 % niedrigere Abbruchquoten
- Einsparung von 5.000-15.000 Euro pro vermiedenem Abbruch
- Höhere Übernahmequoten nach der Ausbildung
- Besseres Arbeitgeberimage im Azubi-Recruiting
- Motivierte Fachkräfte, die langfristig bleiben
Die ersten 100 Tage sind eine Investition, die sich mehrfach auszahlt, in Geld, Zeit und Qualität Ihrer zukünftigen Fachkräfte.
Lesen Sie den ausführlichen Artikel Ausbildungsabbruch vermeiden